Giftige Pflanzen für Haustiere

Aktualisiert am 26. Mai 2026

Lilie, Maiglöckchen, Oleander, Rhododendron, Dieffenbachie … Mehr als 700 Pflanzen sind laut ASPCA Animal Poison Control für Hunde oder Katzen giftig. Pflanzenvergiftungen machen nach Angaben des CNITV in Lyon 10 bis 15 % der Anrufe bei den französischen Giftnotrufzentralen für Tiere aus. Dieser Ratgeber stellt die gefährlichsten Pflanzen in Haus und Garten vor, beschreibt die Symptome je nach Giftstoffgruppe und erklärt die Erste Hilfe.

Warum Katzen am stärksten gefährdet sind

Katzen reagieren aus zwei Gründen empfindlicher auf giftige Pflanzen als Hunde:

  • Neugieriges Knabbern: Sie kauen instinktiv auf grünen Blättern herum (Ballaststoffe, Auslösen von Erbrechen).
  • Besonderer Leberstoffwechsel: Katzen fehlen Enzyme für die Glucuronidierung. Dadurch bauen sie viele Pflanzenstoffe (Alkaloide, Glykoside) nur langsam ab.

Hunde sind häufiger draußen (Garten, Spaziergang) und kommen eher mit Gartenpflanzen (Oleander, Eibe, Rhododendron, Blauregen), Frühlingszwiebeln und verrottenden Blättern auf dem Kompost in Kontakt.

Die gefährlichsten: Top 10 der lebensbedrohlichen Notfälle

1. Lilie (Lilium spp.) — Für Katzen extrem giftig. Pollen, Vasenwasser, Blütenblatt, Blatt: akutes Nierenversagen innerhalb von 24–72 h, Sterblichkeit > 50 % ohne sofortige stationäre Behandlung. Dazu zählen auch Wasserlilie, Orientalische Lilie, Tigerlilie und Taglilie. Bei Hunden mäßige Magen-Darm-Giftigkeit.

2. Maiglöckchen (Convallaria majalis) — Herzwirksame Glykoside (Convallatoxin). Herzrhythmusstörungen, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, mögliche Krampfanfälle. Die ganze Pflanze ist giftig, auch das Vasenwasser.

3. Oleander (Nerium oleander) — Eine der giftigsten Zierpflanzen. Glykoside ähnlich wie Digitalis. Schon wenige Blätter können einen großen Hund töten. Symptome: Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Herzblock, Krampfanfälle, Tod innerhalb von 24 h.

4. Eibe (Taxus baccata) — Das Gift Taxin wirkt auf das Herz. Der Tod kann innerhalb weniger Stunden durch Kammerflimmern eintreten. Besonders gefährlich, weil Eiben oft als Hecke gepflanzt werden.

5. Rhododendron / Azalee — Grayanotoxine. Erbrechen, starker Speichelfluss, verlangsamter Herzschlag, Atemdepression. Wenige Blätter reichen, um einen kleinen Hund zu vergiften.

6. Dieffenbachie / Philodendron / Efeutute / Monstera — Aronstabgewächse mit Calciumoxalat-Kristallen. Sofortiges Brennen im Maul, Schwellung von Zunge und Kehlkopf, Gefahr einer Atemwegsverlegung.

7. Tulpe, Hyazinthe, Narzisse, Amaryllis — Das Gift sitzt vor allem in den Zwiebeln. Erbrechen, Durchfall, Apathie, Krampfanfälle. Besonders gefährlich für Hunde, die im Frühling im Garten buddeln.

8. Birkenfeige (Ficus benjamina), Gummibaum (Ficus elastica) — Reizender Milchsaft, Geschwüre im Verdauungstrakt, starker Speichelfluss.

9. Palmfarn (Cycas revoluta) / Sagopalme — Cycasin, stark leberschädigend. Sterblichkeit 50–75 % bei Hunden trotz Behandlung.

10. Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) — Aesculin und Saponine. Erbrechen, Durchfall, neurologische Störungen. In Stadtparks sehr verbreitet, gefährlich im Herbst, wenn die Kastanien fallen.

Weitere verbreitete Pflanzen, bei denen Vorsicht geboten ist

Zimmerpflanzen: Aloe, Zierspargel, Azalee, Alpenveilchen, Croton (Wunderstrauch), Ficus, Hortensie, Prunkwinde, Jasmin, Kalanchoe, Efeu, Weihnachtsstern, Bogenhanf (Sansevieria), Strahlenaralie (Schefflera), Einblatt (Spathiphyllum), Yucca.

Gartenpflanzen: Aronstab, Tollkirsche, Buchsbaum, Geißblatt, Chrysantheme, Herbstzeitlose, Stechapfel, Fingerhut, Adlerfarn, Blauregen, Mistel, Stechpalme, Iris, Osterglocke, Lupine, Pfingstrose, Rizinus (extrem giftig), Christrose, Holunder, Thuja, Liguster.

Nutzpflanzen: Stängel, Blätter und grüne Früchte der Tomate; Kartoffelkraut; Rhabarber (Blätter); Zwiebel, Knoblauch, Schalotte; Weintrauben (für Hunde giftig: akutes Nierenversagen).

Vollständige Liste: ASPCA Toxic and Non-Toxic Plants Database (nach Tierart filterbar, auf Englisch).

Symptome nach Giftstoffgruppe erkennen

Herzgifte (Fingerhut, Maiglöckchen, Oleander, Eibe): verlangsamter oder beschleunigter Herzschlag, Herzrhythmusstörungen, Schwäche, Kollaps.

Nervengifte (Stechapfel, Rosskastanie, Rizinus): Zittern, Krampfanfälle, Koordinationsverlust, Koma.

Lebergifte (Palmfarn, Knollenblätterpilz): Gelbsucht, wiederholtes Erbrechen, Appetitlosigkeit, Leberschäden innerhalb von 24–72 h.

Nierengifte (Lilie bei Katzen, Weintrauben bei Hunden): akutes Nierenversagen, kein Urinabsatz, Harnvergiftung.

Mechanisch reizende Stoffe (Oxalate: Dieffenbachie, Philodendron): sofortige Schmerzen im Maul, starker Speichelfluss, Schwellungen.

Magen-Darm-Gifte (die meisten): Erbrechen, teils blutiger Durchfall, Bauchschmerzen.

Was tun, wenn Ihr Tier eine Pflanze gefressen hat?

Schritt 1 — Pflanze bestimmen:

  • Fotografieren Sie die Pflanze (Blätter, Blüten, Früchte, Stängel).
  • Bewahren Sie eine Probe auf (Blatt, Beere).
  • Notieren Sie den ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme und die geschätzte Menge.

Schritt 2 — Sofort anrufen:

  • Ihre Tierarztpraxis oder einen tierärztlichen Notdienst.
  • Eine Giftnotrufzentrale für Tiere (rund um die Uhr), in Frankreich: CNITV Lyon (04 78 87 10 40) oder CAPAE-Ouest Nantes (02 40 68 77 40).

Schritt 3 — Das sollten Sie NICHT tun:

  • Lösen Sie kein Erbrechen ohne tierärztlichen Rat aus (manche ätzenden Pflanzen verschlimmern die Verletzungen beim Hochwürgen).
  • Geben Sie weder Milch noch Öl noch Salzwasser.
  • Geben Sie keine „selbst gemachte“ Kohle.

Schritt 4 — Transport: Decken Sie das Tier zu und nehmen Sie das Foto und die Pflanzenprobe mit.

Vorbeugung: eine sichere Umgebung schaffen

  • Bestandsaufnahme zu Hause: Erfassen Sie alle Grünpflanzen und prüfen Sie jede einzelne in der ASPCA-Datenbank. Ersetzen Sie giftige Pflanzen durch ungefährliche Alternativen.
  • Ungefährliche Alternativen: Pilea (Ufopflanze), Calathea, Grünlilie (Chlorophytum), Pfeilwurz (Maranta), Peperomia, Harfenstrauch (Plectranthus), Glücksbambus (Dracaena sanderiana), Schwertfarn (Boston-Farn), Goldfruchtpalme (Areca), Kentiapalme.
  • Geschenkte Blumensträuße: Entfernen Sie Lilien, Maiglöckchen, Schleierkraut und Eukalyptus sofort, bevor Sie den Strauß ins Wasser stellen.
  • Garten: Zäunen Sie Bereiche mit Oleander, Eibe und Rhododendron ab. Sammeln Sie heruntergefallene Kastanien und Eicheln konsequent auf. Behalten Sie die Frühlingszwiebeln im Auge.
  • Kompost: für Hunde unzugänglich machen (Schimmelpilzgifte).
  • Katzengras (Cyperus zumula, Weizengras): Bieten Sie es Ihrer Katze an, damit sie ihr Bedürfnis, Grünes zu kauen, an einer ungefährlichen Pflanze auslebt.

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Fazit

Mehr als 700 Pflanzen können Hunde oder Katzen vergiften. Vorbeugung beginnt mit einer Bestandsaufnahme in Haus und Garten, bei der Sie jede Pflanze mit der ASPCA-Datenbank abgleichen. Bei Verdacht auf Aufnahme verlieren Sie keine Zeit: Fotografieren Sie die Pflanze, rufen Sie eine Tierarztpraxis oder eine Giftnotrufzentrale an und improvisieren Sie keine „Hausmittel“. Für Katzen gilt eine einfache Regel: niemals Lilien im Haus, wirklich niemals.

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